Teil 1: Die Antike

Rom ist nicht irgendeine Stadt. Rom war schon zweimal der Mittelpunkt der Welt und hat die Kultur des Abendlandes geprägt. Einmal in der Antike als Zentrum der Griechisch-Römischen Welt und dann wieder vom Mittelalter  bis zum Barock. Dabei ist in der Stadt eine scheinbar unendliche Menge Architektur und Kunst erschaffen worden, von der auch heute noch viel erhalten ist.

Für mich als historisch interessierten Laien ist Rom auch immer wieder der Mittelpunkt meiner Reisen. Keine Stadt in Europa habe ich so oft besucht und dennoch habe ich das Gefühl, lange nicht alles gesehen zu haben.

Jedes Mal, wenn ich dort hingehe, stellt sich mir immer wieder die Frage: Was sollte ich mir ansehen, wenn ich die Ewige Stadt besuche? Auf diese Frage habe ich jetzt eine neue und sehr ausführliche Antwort, denn ich habe mich mit dem Kunsthistoriker Walter Schnerring unterhalten. In über zwei Stunden hat er mir neues zu bekannten Sehenswürdigkeiten erzählt und neue Ziele in der Stadt vorgeschlagen, die ich noch gar nicht kannte.

Wundern sollte das aber nicht, schließlich hat er einen ganz anderen, viel tieferen Blick auf die Stadt Rom. Er ist Fachmann für Kunst am Bau, war Dozent für Kunstgeschichte an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und an der Universität Stuttgart. Schnerring hat sich in Rom schon viele Male aufgehalten.

Walter Schnerring

Wann sollte man Rom besuchen?

Die meisten Leute besuchen Rom im Sommer, wenn es in Italien schön warm ist, man draußen in den Cafés oder am Strand sitzen kann und die Sonne genießen. Will man aber die Architektur und Kunst der Stadt erleben, sollte man im Februar kommen.

„Architektur sollte man grundsätzlich immer im Winter besichtigen. Allein schon, weil die Bäume da kein Laub tragen und nicht den Blick auf die Fassaden versperren. Im Winter ist es Zeit für Architektur und geheizte Museen, im Sommer hingegen ist es Zeit für die kühlen Kirchenräume.

Walter Schnerring

Besonders den Februar empfiehlt er, weil es dann in der Regel nicht mehr so kalt ist und weniger regnet als in den Vormonaten. Wenn man etwas Glück hat, kann man in dieser Zeit sogar schon den einen oder anderen Tag erwischen, an dem es warm genug ist, sich in die Sonne zu setzen und einen klassisch italienischen Espresso zu genießen.

Tipp: Wer sich in Italien einen Espresso genehmigen möchte, sollte das an einer der zahlreichen Espressobars tun. Hier gilt nämlich ein Gesetz, welches festlegt, dass der kleine Kaffee nicht mehr als 1,20€ kosten darf.

Rom
Rom

Roms Antike

Fragt man den Kunsthistoriker, was man sich in Rom ansehen sollte, ist die Liste der möglichen Ziele beinahe unendlich lang. Und zu vielen davon hat er kleine Anekdoten zu erzählen. Um trotzdem einen guten Überblick zu bekommen, beschäftigen wir uns in diesem ersten Teil einmal nur mit Roms schätzen aus der Antike.

Das kulturelle Zentrum der Antike – Der Kapitolinische Hügel

Will man die noch vorhandenen Werke aus der Antike Roms besuchen, beginnt man am besten auf dem Kapitolshügel. Dieser ist der kleinste von Roms sieben Hügeln und war in der Antike der kulturelle Mittelpunkt der Stadt. Hier war das religiöse Zentrum der römischen Welt mit Tempeln für die wichtigsten Götter. Außerdem wurden die Konsuln, die höchsten Amtsträger der Antike, hier eingeschworen und Triumphzüge, die größten Ehrungen, die ein General erhalten konnte, endeten hier. Die Tempel, welche einst auf diesen Hügel thronten, gibt es zwar nicht mehr, die meisten Gebäude hier wurden aber aus Ruinen antiker Gebäude errichtet.

 Kapitolinische Hügel
Kapitolinischer Hügel

Der Kapitolsplatz selbst wurde in der Renaissance von Michelangelo neu entworfen. Die Jahrhunderte überstanden hat aber die Statue im Zentrum des Platzes, welchen den Hügel dominiert: das Reiterstandbild des Kaisers Mark Aurel. Dieses Kupferstandbild des Imperators wurde bereits circa 170 nach Christus erbaut und soll früher noch einen zusammengekauerten Barbaren vor dem Pferd enthalten gehabten haben. Reiter und Pferd weisen welterobernd nach vorne.

Solche Standbilder gab es im ganzen Römischen Reich zur Ehrung großer Führer. Die meisten haben die Jahrhunderte allerdings nicht überstanden und wurden eingeschmolzen. Mark Aurel verdankt sein Bestehen einer Verwechslung. Im Mittelalter hielt man die Statue für das Abbild von Konstantin dem Großen, welcher das Christentum in Europa verbreitete, weshalb man die Statue bestehen lies.

Hat man die Kunstfertigkeit dieser Statue ausreichend bewundert, kann man von dort aus hinter dem Standbild weiter am Senatorenpalast vorbei gehen und kommt zu einer Aussichtsplattform über das, was den Kapitolshügel einst ausgemacht hatte: das Forum Romanum.

Walter Schnerring im Interview
Walter Schnerring im Interview

Forum Romanum   

Fragt man Walter Schnerring, ist das Forum Romanum selbst nicht gerade den ersten Besuch in der Ewigen Stadt wert. Liegen dort doch nur noch die Trümmer früher großartiger Architektur und man braucht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie es einmal aussah, wenn man dazwischensteht, im einstigen Zentrum der Welt.

Man kann sich aber die 12 € Eintritt sparen und sich das Forum von dem Aussichtspunkt hinter dem Senatorenpalast ansehen. Eine Ausnahme ist die Maxentiusbasilika. Sie ist die erste und Mutter weltweit aller Basiliken mit der Erfindung des überhöhten Mittelschiffs um Licht durch Obergaden zu gewinnen. Während zwar der Großteil von ihr bei einem Erdbeben im Jahr 1349 einstürzte, steht bis heute das rechte Seitenschiff und kann von Besuchern bewundert werden.

Das zweite Objekt ist der Titusbogen. Dieser ist der älteste, schlichte Triumphbogen der Stadt und weist noch nicht drei Bögen auf, sondern besteht aus einem großen Bogen. Den Titusbogen kann man auch von außerhalb des Forums, vom Konstantinsbogen aus, sehen. Er ist der größte und jüngste der Triumphbögen Roms. So hat man die beiden extremen Bögen auf einen Blick.

Forum Romanum
Forum Romanum

Konstantinsbogen

Immer einen Blick ist der Konstantinsbogen wert. Er ist der größte und jüngste der drei Triumphbögen Roms. Errichtet wurde er im Jahr 312 nach Christus zur Ehrung Constantins des Großen. Er hat ausgeprägte Reliefunterschiede zwischen Stadt- und Feldseite. Von dem Bogen aus hat man auch einen schönen Blick auf den Titusbogen, welchen man sonst nur über das Gelände des Forum Romanum erreicht.

Von der Wiese vor dem Triumphbogen aus hat man auch einen perfekten Blick auf Roms beliebtestes Postkartenmotiv: das Kolosseum.

Konstatinbogen mit dem Kolloseum dahinter
Konstatinbogen mit dem Kolloseum dahinter

Kolosseum

Man kann fast nicht anders als Ehrfurcht empfinden, wenn man vor diesem gigantischen Bau steht. Schließlich ist auch das größte antike Amphitheater und wurde bereits 80 nach Christus fertiggestellt, ist also fast 2000 Jahre alt. Amphi bedeutet zweiseitig bespielbar, ohne Trennung von Zuschauer und Bühne. Was mir trotz meiner vielen Besuche dieses Monuments noch nie aufgefallen ist, ist das, worauf Walter Schnerring direkt aufmerksam macht: die besondere Säulenordnung nach griechischem Vorbild.

Steht man vor dem Gebäude, sieht man, dass es in vier Ebenen aus Säulen unterteilt ist. Unten sind sie relativ schmucklos nach der dorischen Ordnung gebaut. Diese galt in Griechenland 500 Jahre vor Christus. Die zweite Ebene der Säulen besitzt schon deutlich mehr Verzierungen und wurden nach ionischer Ordnung errichtet. Diese Säulenordnung stammt aus dem klassischen Griechenland des Perikles. Die oberste und am zartesten verzierte Säulenordnung wird korinthische Ordnung genannt. Diese stammt aus der Zeit des Hellenismus circa 300 Jahre vor Christus. Aus dieser Zeit stammen auch die meisten ausgeformten griechischen Sagen, die wir heute kennen. Sie wurden 800 vor Christus durch Hesiot, einem Nachfahren Homers, niedergeschrieben.

Kolosseum
Kolosseum

Wer die Säulen nicht nur von außen bewundern möchte, kann sich Tickets im Vorhinein online kaufen, um sich die Wartezeit an der Kasse zu sparen. Ein normales Ticket kostet 20,50 €, mit Führung auf Deutsch 42 €.

Walter Schnerring hat sich diese Säulen nicht nur ausführlich angesehen, sondern sie auch gezeichnet. Gerne erzählt er, wie er dabei die berühmte italienische Gastfreundschaft kennengelernt hat. Wie er da saß und die Zeichnung anfertige, welche wir hier sehen, kam der Oberkellner des nächstgelegenen Kaffees zu ihm und versorgte den deutschen Professor bei seiner Arbeit mit einem Espresso.

Das Collosseum, gezeichnet von Walter Schnerring anlässlich einer seiner Studienfahrten nach Rom im Jahr 2001
Das Collosseum, gezeichnet von Walter Schnerring anlässlich einer seiner Studienfahrten mit Studenten nach Rom im Jahr 2001
Kolosseum
Kolosseum

Pantheon

Zum Pantheon sollte man definitiv gehen. Allein schon, weil es die Mutter aller Zentralbauten ist, was man nördlich der Alpen nicht oft sieht. Besonders am Pantheon ist außerdem noch das offene Loch in der Mitte der Decke, welches die einzige Lichtquelle ist. Durch dieses fällt das ganze Jahr über die Sonne oder der Regen herein.

„Zentralbauten sind deshalb so selten, weil sie in der Religion nur zwei kultischen Bedürfnissen dienen: Für die Ankunft  (Taufe) in der Religion und die Verabschiedung (Begräbnis). Sie sagen aber auch: Hier ist ein Machtzentrum.

Die Begrüßung ist das Baptisterium – die Taufkirche. In der Mitte der Täufling, das Zentrum und darum herum die Gemeinde. Der Ankommende ist im Zentrum. Beim Mausoleum, in der Totenkapelle, ist es auch so. Der Sarg befindet sich in der Mitte und die Gemeinde darum herum und verabschiedet den Verstorbenen. Die meisten Kirchen sind jedoch ‚Longitudinalbauten‘, um viele Gläubige vor dem Altar aufnehmen zu können. Die Stützenallee des Hauptschiffes symbolisiert den komprimierten Heils- und Pilgerweg hin zum Heiligtum.“

Wichtig ist, dass das Pantheon heute zwar eine christliche Kirche ist, aber ursprünglich für den römischen Glauben der Antike gebaut wurde.

Das Pantheon ist für alle Götter gebaut worden. Der Gedanke war, so Walter Schnerring, dass auch ein unbekannter Gott hier seinen Platz haben soll. Er soll nicht ausgelassen werden, damit er uns nicht zürnt, nur weil beim Erbauen nicht direkt an ihn gedacht wurde. Heute ist dort das Grabmal von Raffael. Dieser Zentralbau ist das Vorbild für alle Zentralbauten geworden (zum Beispiel die Grabkapelle in Stuttgart Rothenberg, Paulskirche Frankfurt, Pfalzkapelle Karls des Großen in Aachen und auch das Capitol in Washington und viele andere mehr).

Museen

Während das zwar schon die wichtigsten Bauwerke der Antike waren, gibt es in Rom noch zwei Museen, welche man sich zu dem Thema anschauen sollte.

Musei Capitolini (Kapitolinisches Museum)

Das Museum ist auf dem Kapitolshügel gelegen, direkt links vom Reiterstandbild des Mark Aurel. Es gehört zu den kapitolinischen Museen. In diesen werden die “heidnischen” Bildnisse ausgestellt, welche erst 1471 von Papst Sixtus IV. an die Stadt Rom gespendet wurden und die nicht christlichen Statuen, welche Pius V. aus den vatikanischen Palästen entfernen lies.

In dem Museum sind die Büsten und Statuen bedeutender Römer ausgestellt. Auf Augenhöhe des Betrachters sieht man die Köpfe von Senatoren, Philosophen, Künstlern und Kaisern. Die Römer pflegten, im Unterschied zu den Griechen, die naturalistische, realistische Individual-Bildnisbüste: Sogenannte sprechende Gesichter.

Seit diesen Büsten kennen wir den Begriff der Fassade im weitesten Sinne. Auch die Gesichter hatten eine klare Schauseite, welche dem Publikum zugewandt war. Wie bei den Gebäuden an der Piazza.

Musei Capitolini
Musei Capitolini

Dabei kann man auch die Besonderheit der römischen Figur beobachten: Während die griechische Figur freisteht und von allen Seiten betrachtet werden will, hat die römische Figur eine handelnde und eine passive Seite. Dabei ist die handelnde Seite zum Betrachter hingedreht und zum Anschauen gedacht. Die passive Seite hingegen ist schlichter und architekturbezogen.

Dasselbe gilt auch für die römische Architektur. Alles hat eine schöne Fassade zum Betrachter hin und soll nicht von hinten betrachtet werden. Selbst das Kolosseum als bekannter Rundbau ist nicht darauf ausgelegt, von allen Seiten betrachtet zu werden. Das fällt auf, wenn man versucht, darum herum zu laufen, und feststellen muss, dass das nicht möglich ist, da es an den Hügel gebaut ist.

Für den Besuch des Museums hat Walter Schnerring einen ganz besonderen Tipp: Wenn man die Figuren sehr lange konzertiert ansieht, scheinen sie zu sprechen und zu pulsieren.

Etruskisches Nationalmuseum Villa Giulia

Deutlich abseits der antiken Denkmäler Roms im Norden der Stadt befindet sich die Villa Giulia. Diese ist zwar selbst nicht antik, die Ausstellung darin beinhaltet aber einige der ältesten Stücke der ganzen Stadt in wunderbaren, stimmungsvollen Sälen.

Sie ist der ehemalige Sommersitz des Papsts und wurde unter anderem von Bartolomeo Ammanati, Giorgio Vasari und Michelangelo gestaltet. Seit 1889 ist die Villa das zentrale Museum für etruskische Kultur überhaupt.

Etruskisches Nationalmuseum Villa Giulia
Etruskisches Nationalmuseum Villa Giulia

Die etruskische Kultur ist der direkte Vorläufer der Kultur des Römischen Reichs und ging in diese auf. Im Museum zu sehen gibt es die bekannten Kunstwerke „Sarkophag der Eheleute“ und „Die Statue des Apollo von Veji“. Außerdem finden sich dort Artefakte welche auf das 6. bis 5. Jahrhundert vor Christus datiert werden. Dazu gibt es in dem Museum noch römische Keramik, Bronzestatuen und Schmuck. Von den Tempeln der Etrusker selbst findet sich nichts mehr, da diese aus Holz waren und die Zeit nicht überstanden haben. Deshalb sind die Grabfunde, welche wir heute noch haben, aber umso bedeutender.

Wer den Weg außerhalb des Stadtkerns auf sich nimmt, um die Ausstellung besichtigen, muss einen Eintritt von 15 € pro Person einrechnen.

Eine Reise durch die Zeit

In unserem Gespräch hat mir Walter Schnerring noch viel mehr über die Geschichte Roms und seine beeindruckende Kunst erzählt. Mehr berichte ich im nächsten Teil 2, wenn es um die frühchristlichen Kirchen der Stadt geht.

Simon Uhl

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