Wunderschönes Land mit reicher Kultur

Serbien ist in den Schlagzeilen. Nicht unbedingt immer positiv; ein kritisiertes Corona-Management und Konflikte mit den Nachbarstaaten tragen zum widersprüchlichen Image bei. Aber hinter der rauen Fassade versteckt sich ein wunderschönes Land mit gastfreundlichen Menschen, abwechslungsreichen Landschaften und einer reichen Kultur.

Ja, mich stört auch, dass Serbien aufgrund des machtbesessenen Präsidenten Vucic mehr und mehr in die Autokratie abdriftet. Aber weil ich Serbien gut kenne, weiß ich, dass man dieses Land nicht nur danach bewerten darf.

Warum ich mir da so sicher bin? Weil ein Teil meiner Familie aus Serbien stammt und weil ich sehr oft zu Besuch war und meine Familie, von denen ein großer Teil in Indjia in der Region Vojvodina lebt, immer wieder besucht habe.

Indjia liegt gut 60 Kilometer südlich der kroatischen Grenze und damit im Norden Serbiens. Ich habe die Veränderungen hautnah miterlebt und möchte davon erzählen. Indjia steht auch für eine positive Entwicklung, die in den letzten Jahren in Serbien geschehen ist (zumindest in Anbetracht der Infrastruktur).

Nationalflagge Serbiens
Die Nationalflagge Serbiens seit 2004

Spürbare Entwicklung in Indjia

Serbien Reiseführer

Meine ersten Erinnerungen an Serbien sind nicht mehr so deutlich, doch weiß ich noch, dass es im Vergleich zu Deutschland damals sehr unterentwickelt war. Ein Land, das von den damaligen Jugoslawien-Kriegen gebeutelt war, lag in Trümmern. Das Wasser musste Phasenweise aus entfernten Brunnen geholt werden und Strom gab es auch nicht immer. Für einen kleinen Jungen aus Deutschland war das eine ganz andere Welt!

Doch als ich im Jahre 2017 das letzte Mal Indjia besuchte, war es fast eine komplett andere Stadt. Das Straßennetz wurde ausgebaut, Züge fuhren und es gab fließend Wasser und Strom in den Häusern. Die nördliche Provinz Vojvodina ist mittlerweile ein großer Wirtschaftsstandort in Serbien geworden. Dieser Region geht es im Vergleich zu anderen Teilen Serbiens (wirtschaftlich) gut. In den letzten Jahren haben sich hier größere Unternehmen angesiedelt und zum Aufschwung der Stadt und der Provinz beigetragen. So viel zu meiner Verbindung zu Serbien.

Ostblock Romantik in der Hauptstadt Belgrad

Wenn man weiter landeinwärts fährt, erreicht man bald Belgrad, die Hauptstadt Serbiens. Ich habe bisher kaum eine Stadt gesehen, die so sehr zweigeteilt ist wie Belgrad. Wenn man von der Festung in Belgrad auf die Save und die Donau blickt, erstrahlt die Hauptstadt wahrlich traumhaft schön. Doch kann sich das Bild schon zwei bis drei Straßen weiter wieder ändern, wenn man auf die zweckmäßigen sozialistischen Wohnungen trifft. Belgrad ist eine der ältesten Städte Europas und zugleich Austragungsort unzähliger Kriege. All diese Spuren sind hier vereint.

Google Maps Belgrad

Symbolisch hierfür ist der Park Kalemegdan. Denn wenn man hier von den Mauern der Festung hinab tritt erblüht um einen herum das Belgrader leben. Kriegshistorie, Flusslandschaft und neue Bauten treffen hier zusammen, alles an einem Ort. Aber wie auch schon gesagt, sind die sozialistischen Einflüsse nicht weit. So wird die Stadt vom blühenden Leben, zum grauen Plattenbau, dessen Kriegsnarben sich an den Fassaden der Wohnkomplexe abzeichnen. Viele fühlen sich von solchen Gebäuden äußerst unwohl, doch ich habe gefallen daran gefunden und versprüht wunderbare Ostblock-Romantik.

Direkt am Fluss Save befindet sich auch eines der berüchtigtsten Viertel in Belgrad, das Savamala. Dieses Viertel ist für seine junge, urbane Kultur bekannt. Wenn man das Nachtleben der Hauptstadt ist man hier genau an der richtigen Stelle. Zudem kann man hier am Fluss auch sehr gut essen gehen und dabei beeindruckende Street-Art erblicken.

Natürlich gibt es in Belgrad nicht nur Party mit Plattenbau-Charme, sondern, wie es sich für so eine alte Stadt gehört, auch eine Menge Sehenswürdigkeiten. Zum Beispiel den Dom des Heiligen Sava. Der Dom ist mit 4.830 m2 eines der größten orthodoxen Gotteshäuser weltweit und wurde dem Erzbischof und Nationalheiligen Sava I. geweiht. Zu finden ist der Dom südlich vom Stadtzentrum.

Reiseführer Belgrad

Das Stadtzentrum selbst bildet der Platz der Republik. Hier tummeln sich Touristen genauso wie Einheimische. Bekannt ist der Platz für seine Statue von Fürst Mihailo. Von dort aus kann man der Knez Mihailova entlanglaufen. Eine schöne Straße mit alten Gebäuden. Außerdem gibt es in Belgrad viele weitere Museen. Vor allem das Serbische Nationalmuseum ist einen Besuch wert. Hier gibt es die ältesten gefundenen Knochen in der Region um Belgrad.

Novi Sad – Die Kulturhauptstadt Europas 2021

Neben der Stadt Indjia liegt mit Novi Sad eine der größten Städte Serbiens in der Provinz Vojvodina im Norden des Landes. Novi Sad ist die Kulturhauptstadt Europas im Jahre 2021 und damit die erste Stadt ausserhalb der EU. Zudem ist Novi Sad eine junge Studentenstadt, das merkt man auch daran, dass sich hier die unterschiedlichsten Nationalitäten niedergelassen haben. Bedeutet jetzt nicht, dass im restlichen Serbien nur Einheimische leben die eher einen Ruf als Nationalisten weg haben, aber Novi Sad ist in dieser Hinsicht offener und diverser als andere serbische Städte.

Es kommt vielleicht die Frage auf, warum denn gerade Novi Sad 2021 Kulturhauptstadt ist. Nun, Novi Sad besitzt eine sehr gut erhaltene Altstadt mit vielen kleinen Läden, Kneipen und Restaurants. Am Abend füllen sich die alten Straßen mit jungem Leben, was ein wunderbares Stadtbild abgibt. Zudem strecken sich sehr viele Kirchen und Kathedralen in dieser Stadt empor. Liegt daran, dass hier neben dem orthodoxen Glauben noch viele weitere Religionen vertreten und vor allem toleriert werden. Zudem findet jedes Jahr im Sommer das Exit Festival statt. Das Festival wurde im Jahre 2000 nach dem Zerfall Jugoslawiens ins Leben gerufen und sollte der Jugend in Novi Sad etwas Abwechslung verschaffen. Mittlerweile sind gut 190.000 Menschen jährlich auf dem Musik-Festival auf der Festung in Petrovaradin.

Petrovaradin
Petrovaradin
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Ja, auch Novi Sad hat wie Belgrad eine eigene Festung! Man erkennt die kriegerische Vergangenheit des Landes. Im Stadtteil Petrovaradin liegt eine der am besten Erhaltenen und größten Festungen in Europa und ist auf jeden Fall einen besuch wert. Die Festung selbst liegt genau an der Donau und von oben hat man eine wunderbaren Blick über den Fluss. Man merkt auch Novi Sad ist sehr vielfältig und einen Besuch wert, da es auch sehr gut von Belgrad aus mit der Bahn zu erreichen ist.

Einzigartiges Naturphänomen – Đavolja Varoš

Doch neben Städten in denen sich altes und neues die Klinke in die Hand gibt, bietet Serbien dazu noch viele sehenswerte Landschaften. Hierfür verschlägt es uns in den Süden von Serbien. Eine der größeren Städte hier ist Niš. Von dieser Stadt aus geht es gut eineinhalb Stunden mit dem Auto gen Süden zum Đavolja Varoš. Übersetzen kann man dies mit der „Stadt des Teufels/Bösen“. Das ist aber keine Stadt, sondern ein Park in dem man einen der Nominierten für die 7 modernen Weltwunder betrachten kann!

Đavolja Varoš
Đavolja Varoš

Dies sind mehr als 200 Erdpyramiden, die sich bis zu 15 Meter in die Höhe empor strecken. Diese Einzigartigkeit der Natur entwickelte sich über Millionen von Jahren aufgrund eines Vulkans der in der Region des Radan Bergs aktiv war. Leicht unterhalb der Felsformationen befindet sich die so genannte „Teufelsquelle“. Das Wasser der Quelle ist aufgrund ihres hohen Mineralgehaltes Rot gefärbt. Ein weiterer Fakt warum der Ort solch einen Namen trägt, sind die Geräusche, die die Felsen von sich geben. Wenn hier einmal ein starker Wind durchpfeift, ähnelt das stark qualvollen menschlichen Schreien…

Wenn man sich in Serbien südlich der Hauptstadt Belgrad bewegt macht man schon eine kleine Zeitreise durch. Marode Straßen, hin und wieder mal eine kleine Holzhütte oder Menschen die Eimer voll Wasser von einem Brunnen zu ihrem Haus tragen. Und wenn ihr wirklich mal gar keinen Bock auf Zivilisation habt, geht ihr in den Westen von Serbien ins Tara Gebirge.

Wandern im Tara Gebirge

Entlang des Gebirges gibt es einzelne kleine Hostels, bei denen man für ein paar Tage unterkommen kann. Denn hier gibt es nirgends Internet und man ist von der Aussenwelt praktisch abgeschottet. In den umliegenden Dörfern geschieht auch nicht viel. Für das optimale Erlebnis bucht man nahe des (oder im) Walt ein Hostel, informiert sich kurz über ein paar Wanderrouten und erkundet die Landschaft. Aber es sei erwähnt, dass man für eine Wanderung im Tara Nationalpark gute Ausrüstung benötigt. Die Wanderwege sind zwar ausgeschildert, doch wars das auch. Sagen wir es so: Die Wege sind sehr „natürlich“. Ich glaube es wurden einmalig Routen entworfen und diese auch abgesteckt, doch danach hat man sich nicht mehr großartig darum gekümmert. Es kann schon vorkommen, dass mal ein paar Wege einfach überschwemmt sind und man nicht wirklich weiterkommt. Aber naja, wenn man sich hier hin verirrt will man das doch, oder?

Slivovitz aus Serbien

Blick auf das Tara Gebirge
Blick auf das Tara Gebirge

Das war mein Einblick über ein Land, das die meisten von euch wahrscheinlich gar nicht auf dem Schirm hatten. Es ist sehr vielfältig und man kann hier so einiges Erleben. Sei es ein Trip in die Stadt, das besichtigen von einzigartigen Naturphänomenen oder eine Reise in die Vergangenheit. Habt ihr schon einmal Serbien besucht? Wenn ja, was waren eure Erfahrungen? Wenn nicht, wollt ihr es mal in Zukunft bereisen? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

Fabian Zimmermann

betravel Reiseredaktion

Artikel aktualisiert am 27. Juli 2021

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