Es gibt einen Ort auf der Welt an den ich schon immer wollte.

Mittelerde.

Und genau dorthin geht unsere heutige Reise.

Falsch, denn Mittelerde gibt es nicht, da es nur ein fiktiver Ort in einem fiktiven Universum ist. Aber immerhin gibt es den Ort, an dem die Filme gedreht wurden. Neuseeland. Dies ist die Geschichte von meiner Reise ans andere Ende der Welt, von Fronarbeitern und von Burgern. Ich zeige dir heute wie Work and Travel Neuseeland für mich war.

Flug

Es ist jetzt schon über 5 Jahre her. Im Jahr 2013 hatte ich mein Abitur gemacht und wollte etwas erleben. Weit weg von Deutschland. Am besten auf einen anderen Planeten. Das erwies sich als schwierig. Denn Elon Musk machte zwar Fortschritte mit SpaceX, aber ein Trip zum Mars lag noch in weiter Ferne. Außerdem wollte ich nicht mein GANZES Kleingeld ausgeben.

Also was tun? Was war so weit weg wie nur möglich und noch mit einem normalen Flugzeug erreichbar? Neuseeland.

Mittlerweile habe ich viel vergessen (vielleicht auch verdrängt), aber an den Flug erinnere ich mich noch ziemlich genau. Zusammen mit meinem Mitreisenden, einem alten Freund, sagten wir am Flughafen Auf Wiedersehen zu unseren Eltern. Für sie war es, als würden wir in den Krieg gehen, zumindest kam das so rüber. Ich selbst konnte es kaum erwarten das andere Ende der Welt zu sehen. Und so stiegen wir in den Flieger.

Es hat ca. 24 Stunden gedauert von Stuttgart bis Auckland, mit einem Zwischenstopp in Dubai. Ich wünschte wir wären auch eine Weile in Dubai geblieben, denn auch vom Flughafen aus sieht die Stadt sehr Bonze aus. Öl überall, so weit das Auge reicht.

Der Grund, warum mir der Flug noch heute so in Erinnerung geblieben ist, ist, weil die Sitze unfassbar eng beieinander lagen. Bei etwas mehr Körperfülle hätte ich vermutlich die Atemmasken auch während des Fliegens gut gebrauchen können. Das zweite war meine Unterhaltung. Von Dubai bis Auckland habe ich einen Film nach dem anderen laufen lassen. Direkt auf der Rückseite der vorderen Sitze waren nämlich kleine Bildschirme angebracht. Das war auch gaz nett, denn es standen viele aktuelle Kinofilme zur Auswahl. Und so verging die Zeit. Allerdings ab der Hälfte des Fluges wurde ich sehr müde und bin immer wieder eingeschlafen und wieder aufgewacht. Den Film, der währenddessen lief, wollte ich aber unbedingt sehen bevor der Flug vorbei war. Daher musste ich immer wieder zurück und die Stelle finden, wo ich eingeschlafen war. Eine schwere Aufgabe für einen Abiturienten mit eingeschränkter Luftzufuhr.

Flug nach Neuseeland

Flug nach Neuseeland

Auckland

Auckland ist eine tolle Stadt. Nicht sehr außergewöhnlich, dafür dass dies das andere Ende der Welt ist, aber dennoch. Eine typische Großstadt eben. Allerdings gibt es so viel zu entdecken. Von koreanischem BBQ, über entspanntes Strandleben mit Sicht auf die Inseln der Umgebung, bis hin zum Auckland War Memorial Museum. Dieses ist meiner Meinung nach besonders sehenswert. Vor allem, weil der Blick von dort über die Stadt ist.

Aber für mich sind besonders zwei Ausflüge in Erinnerung geblieben: Rangitoto Island und Mount Eden. Ersteres war ein Tagesausflug zu der Vulkaninsel. Mit der Fähre rübergeschippert begann der Aufstieg. Der Weg führte meist durch den Wald und ich kam mir vor wie Pippin und Merry im alten Wald. Am Gipfel agenkommen gab es eine reichliche Rast mit Sandwiches, während man in den Krater schaute. Mount Eden war unser Ziel für Silvester. Von dort oben konnte man das öffentliche Feuerwerk in voller Pracht genießen. Denn in Auckland gibt es ein von der Stadt professionell vorbereitetes Spektakel zum Jahresanfang.

Auckland Neuseeland

Auckland Neuseeland

Wetterprognose Auckland

Herr der Ringe

Ich weiß, ich weiß. Der Artikel heißt Work & Travel in Mittelerde. Aber die Orte, wo ich war, glichen Mittelerde nicht im geringsten. Das wird wahrscheinlich deutlich, wenn ich zu dem „Work & Travel“ Part des Artikels komme. Und wir waren auch nicht in Hobbiton. Aber das war eine bewusste Entscheidung, denn für mich war Hobbiton immer – no offense – nur ein Teletubby-Land für Erwachsene, die gerne barfuß sind. Aber es gab doch ein paar Momente, an denen Neuseeland wie Mittelerde wirkte. Das waren die Busfahrt von Auckland nach Wellington und von Wellington nach Christchurch. Denn nur da kam die Landschaft erst wirklich zur Geltung. Ich finde diese Fahrten waren das wirklich magische an meiner Reise. Die Unberührtheit kann man hier noch fühlen. #emotional

Hobbiton Neuseeland

Hobbiton Neuseeland

Wellington

Nach einer kurzen Zeit in Auckland also machten wir uns auf den restlichen Teil des Landes zu erkunden. Wir hatten nichts im vornhinein geplant, sondern wollten uns einfach überraschen lassen, wohin die Reise geht. Das war und ist vermutlich nicht die beste Art eine Reise anzugehen. Denn eine Arbeit zu finden erwies sich auf die Schnelle als nicht so einfach. Also reisten wir erstmal von Auckland nach Wellington und suchten auf dem Weg weiter. Angekommen in Wellington machten wir ein paar Touren durch die Stadt. Im Vergleich zu Auckland war Wellington deutlich ruhiger, obwohl es auch eine große Stadt ist. Mit „nur“ ca. 200.000 Einwohnern ist dies auch kein Wunder im Vergeich zu en 1,6 Millionen von Auckland. Dennoch ist Wellington die Hauptstadt von Neuseeland. Es gibt ein paar Orte zu entdecken, wie z.B. das Karori Wildlife Sanctuary und der Wellington Botanic Garden. Diese haben wir aber nicht besucht, sondern mehr Zeit am Hafen verbracht. Wellington ist eine typische Hafenstadt mit tollem Pier und interessanten Restaurants. Leider war das Wetter fast durchgehend regnerisch während unserem Aufenthalt, daher wurde sehr viel Zeit in Restaurants und Cafés verbracht.

Nach (Zeit einfügen, die ich mittlerweile vergessen habe) bekamen wir schließlich ein Angebot von einer Dame, die Hilfe bei der Gartenarbeit benötigte. Also begaben wir uns nach (Ort einfügen, den ich mittlerweile vergessen habe). Es war mein erster Work-and-Travel-Job, daher war ich neugierig, was passieren würde. Wir stiegen an einer Straße aus, die an einen Western erinnerte. Der Wind wehte und wirbelte den Staub auf. Nur ein großer Uhrturm und wenige Häuser waren zu sehen. Aber das war der Ort, wo es sein musste. Das meinte zumindest das Navi. Wir liefen der Straße entlang bis ie elektronische, freundliche Stimme sagte: „Sie sind am Ziel angekommen.“

Wellington Hafen

Wellington Hafen

Work in Mittelerde

Zu Beginn bergüßte uns ein Hund, der nur ein bisschen aggressiv wirkte. Daher ließen wir uns nicht ablenken. Wir betraten das Gelände und machten es uns im Garten gemütlich, da niemand da war. Einige Zeit später kam die Besitzerin und begrüßte uns. Sie war eine geschiedene Mutter, die, nachdem ihre Tochter erwachsen war, sich ihren Traum erfüllt hatte und ein Stück Land zum Obst und Gemüse anbauen gekauft hatte.

Wir halfen beim Rasenmähen, beim Unkraut jäten und und Zaun bauen. Die Unterkunft war ein großes Tipi-Zelt, was einerseits exotisch war, aber andererseits auch sehr unangenehm. Wenn es regnete wurde es nass auch drinnen. Da macht das Aufstehen noch mehr Spaß als es es sonst schon tut. Außerdem gab es nicht viel zu Essen, da die Frau es mit ihrem ökologischen Lebensstil sehr wörtlich nahm. Hauptsächlich selbst produzierte Lebensmittel und manchmal Reis. Aber der Punkt, der mich schließlich überzeugte, das Weite zu suchen, war folgendes. (Achtung: Etwas unangenehm. Für zartbesaitete, einfach zum nächsten Absatz springen.) Es gab nämlich keine Toilette. Interessanter Weise aber eine Dusche mit fließendem Wasser. Diese Logik muss mir nochmal jemand erklären. Jedenfalls gab es anstelle der Toilette einen Eimer. So weit, so gut. Dieser Eimer musste also immer wieder mal geleert und gereinigt werden. Was wir nicht wussten, war, dass nicht nur wir den Eimer benutzten, sondern auch die Dame selbst. Das war schon an sich … wie soll ich sagen … ungünstig. Am zweiten Tag darauf stellte sich heraus, dass noch ein anderer Herr auf dem Grundstück in einem Segelboot wohnte. Und als dieser auch den Eimer nutzte, war es für uns klar. Wir schwirren ab. Die Entscheidung war einstimmig.

Danach waren wir ein paar Tage Rasenmähen bei einer Frau, die ihr Haus auf einem kleinen Berg hatte. Diese Woche war vermutlich die Beste überhaupt, da wir nur für die Unterkunft arbeiten mussten und dadurch in der Restzeit die Hafendörfer in der Umgebung erkunden konnten.

Daraufhin kamen wir zu einer Familie, die ebenfalls ein Landstück gekauft hatte und Hilfe im Garten brauchte. Hier war die Unterkunft sehr schön in einer Scheune, die aber eher einem kleinen Hause glich. Wir nahmen hauptsächlich Aufgaben von der Frau entgegen, die auf die Kinder aufpasste. Der Mann hat beruflich Häuser und Garten gebaut. Einmal halfen wir sogar ihm direkt bei einem Auftrag, wo Gartenfliesen verlegt wurden. Die Besitzer des Grundstücks waren etwas skeptisch, dass unausgebildete Arbeiter Hand anlegten. Unser Gastgeber aber nahm es ganz locker und lachte als wir ihm das erzählten. Wir hatten eine ganz gute Zeit dort. Leider gab es kaum Essen, die Frau schien nicht wirklich mehr als sonst einzukaufen, obwohl wir da waren. Das fiel dem Mann dann eines Tages auf, er aß sonst fast immer auf der Arbeit. Und er meinte schmunzelnd, ob wir nicht verhungern würden ^^. Die Frau schien es nicht zu verstehen. Vielleicht wollte sie auch einfach nur sparen. Who knows?

Für uns ging es also bald weiter in die nächste Stadt.

Work and Travel Neuseeland

Work and Travel Neuseeland

Christchurch

Zu Christchurch gibt es gar nicht so viel zu sagen. Wir waren nur ein paar Tage dort. Wir haben Freunde besucht und den botanischen Garten erkundet. Das Wetter war nicht so gut, daher wurde die Zeit schön gemütlich in dem Hostel (hier Synonym für nicht lebendig einfügen) geschlagen. Die Stadt war durch Erdbeben beschädigt, was wir mit eigenen Augen wahrnehmen konnten. Ganze Häuserketten waren eingestürzt.

Das bringt mich gleich zu unserem letzten Arbeitsort, den ich leider auch vergessen habe. Ups.

Wir wurden von einem älteren Herren kontaktiert, der eine Garage an sein Haus anbauen wollte. Er holte uns mit seinem Geländewagen ab und wir fuhren eine ganze Weile, bestimmt über 50km. Sein Anwesen lag weit außerhalb von der nächsten Stadt und wir wurden von seiner Frau begrüßt. Die übrigens eine sehr freundliche Frau und darüber hinaus auch eine sehr gute Köchin war. Der Mann war eher weniger entspannt. Also halfen wir die folgende Zeit beim Bäume fällen, Boden aufreißen und Wand einschlagen. Darüber hinaus haben wir auf seiner Weinplantage und der des Nachbarn gearbeitet. Es war ein einzigartiges und lehrreiches Erlebnis. Und wahrscheinlich das zweitbeste aus den vier.

Jedenfalls, nach ich glaube einem Monat, meinte der Herr, wir würden zu langsam vorankommen und dass die Kosten für uns zu hoch seien. Von der Arbeitsgeschwindigkeit von zwei Schulabgängern her: Verständlich. Aber anscheinend sind professionelle Bauarbeiter auch noch günstiger als das tägliche Essen für Backpacker. Jetzt wo ich daran denke, da sollte ich vielleicht auch ein Haus in Neuseeland bauen. Es muss sich wirklich rentieren, zumindest sind die Bauarbeiter offensichtlich sehr  erschwinglich.

Also packten wir unsere Sachen und verbrachten noch etwas Zeit in einem Hostel in der Nähe eines kleinen Dorfes. Die Atmosphäre dort war sehr urprünglich und wir haben es genossen, nach all der Arbeit.

Botanischer Garten Christchurch

Botanischer Garten Christchurch

Burgerfuel

Ein Wort möchte ich zum Essen anbringen. Auch wenn es nichts exotisches war, das mir kulinarisch in Erinnerung geblieben ist. Denn die Burger… die Burger waren absolute Weltklasse. Und nein, nicht bei allen Läden. Sondern bei einem spezifischen Laden, der sich „Burgerfuel“ nennt. Bis heute träume ich von diesen Burgern. Und jedes Mal wenn ich davon jemandem erzähle habe ich nicht das Gefühl, das wirklich rüberbringen zu können. SIE WAREN GÖTTLICH. Leider gibt es den Laden nicht in Deutschland und ich habe noch keinen Ersatz gefunden. Also, wenn du einen echten Burger haben willst, musst du nach Neuseeland. #cometogermanyburgerfuel

Burger in Neuseeland

Burger in Neuseeland

Schlussgedanken

Neuseeland ist ein unglaublich schönes Land. Das Meer ist fast immer in direkter Nähe und Bergmenschen muss ich gar nicht erst überzeugen. Es gibt so viel zu sehen und zu tun. Wenn du ein Abenteuer weit weit weg suchst, dann ist Neuseeland dein Ziel.

Für mich allerdings war der Work-and-Travel Aspekt der Reise etwas, das immer einen bitteren Beigeschmack behält. Denn obwohl es eine lehrreiche Erfahrung mit vielen neu gelernten Fähigkeiten war, stimmt das Konzept von Work-and-Travel nicht ganz. Viele von denen, die Backpacker anheuern, weil sie kein Geld für echte Mitarbeiter ausgeben möchten. Und dann fällt ihnen auf, dass diese Backpacker auch mit Respekt behandelt werden möchten. Denn in spärlichen Arbeitsbedingungen kann es sich schnell wie Fronarbeit anfühlen. Und diesen Eindruck haben auch andere Reisende bekommen, die wir getroffen haben.

Daher kann ich folgendes empfehlen, dass wenn du dir überlegst, nach Neuseeland zu reisen: Wenn du etwas Geld sparen möchtest und ein echtes Abenteuer mit Höhen und Tiefen erleben möchtest, dann ist Work-and-Travel für dich. Willst du mehr Freiheit und dir macht es nichts aus, etwas mehr auszugeben, dann sind die vielen gemütlichen Hostels dein Place-to-go. Außerdem gibt es auch normale Jobmöglichkeiten, wie z.B. die Kiwi Plantagen. Die natürlich mit mehr Schweiß und Tränen verbunden sind, aber besserer Bezahlung.

Wenn du also eine Reise nach Neuseeland planst und noch mehr Infos suchst, dann schreib einfach einen Kommentar unter diesen Beitrag. Und vielleicht kann ich noch mit etwas helfen.

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