London im Januar 2019 erscheint so kosmopolitisch und offen und seine Bewohner so gastfreundlich und multikulturell wie immer. Aber die Spannung, die in der Luft liegt, spürt man trotzdem, wenn man Augen und Ohren öffnet und tiefer einsteigt: Zum Beispiel in die Gespräche mit Einheimischen oder die Schlagzeilen der Tageszeitungen und die Nachrichtensendungen der großen Sender aufmerksam verfolgt. Lustig ist auch die Frontseite der satirischen Zeitschrift Private Eye, auf der die Queen ihren Prinzgemahl tadelt, der einen Unfall mit seinem Auto baute, der Prinz die Schelte aber auf Theresa May und ihre Brexit-Verhandlungsstrategie bezieht.

Eigentlich war es wie sonst auch bei meinen Besuchen in London in all den Jahren davor. Nichts deutet vordergründig darauf hin, dass es geschichtsträchtige Tage sind, in denen sich ein grundlegender Wandel in England und im Vereinigten Königreich ankündigt, der ziemlich sicher gewaltige Verschiebungen und Veränderungen in der Zukunft bringen wird.

Offizielles Brexit-Austrittsdatum 29. März 2019

Ganz Europa ist gespannt, wie die Brexit Verhandlungen ausgehen werden. Noch ist nichts entschieden! In London finden gespannte Debatten zeitgleich zwischen den unterschiedlichen Fraktionen statt, wobei sich gegensätzliche Meinungen innerhalb einer Partei finden lassen. Kleinere und größere Grüppchen von Brexit Gegnern und Befürwortern stehen sich täglich vor dem House of Parliament und angrenzenden Straßen gegenüber. Besucher, die viel Zeit mitbringen, können manche spannende Szene miterleben. Auch in den sozialen Medien ist der Brexit ständig ein viel diskutiertes Thema.

Wie sagte ein Freund zu mir? “Perfektes Timing für einen London Besuch”. Das kann man so sagen. London ist keine Minute langweilig und die vier Besuchstage verfliegen im Nu. Zumal es kulturell so spannend ist sonst auch und es aktuell einige interessante Ausstellungen, Filme und Shows gibt, die man besuchen kann. Darunter die TOTEM Show des Cirque de Soleil, ein neuer Maria Stuart Film und viele sehenswerte Ausstellungen zum Beispiel im Victoria & Albert Museum.

Wikipedia Brexit

Kensington

Meine Unterkunft in der Nähe der South Kensington Underground Station ist ideal wegen der Nähe zur Royal Albert Hall, in der die Show des Cirque du Soleil stattfindet und der Nähe zum Hyde Park, zum Buckingham Palace und vielen Shops und Boutiquen. Von hier ist Harrods gut zu erreichen und mit der Anbindung an die Piccadilly-, Circle- und District Line ist der Knotenpunkt eine sehr gute Ausgangslage für Ausflüge in alle Richtungen.

London bietet eine Fülle an Hotels und Unterkünften in allen Preisklassen. Es gibt sogar Apartmenthäuser mit tagesaktuellen Preisen für unterschiedliche Größen und Kategorien. Das war auch für mich eine überraschende Entdeckung. Eine Einrichtung, die mir in dieser kurzen Zeit sehr gut gefallen hat, war ein Ladengeschäft mit Tagescafe und Restaurant in der Sloane Avenue ganz in der Nähe der South Kensington Station.

“daylesford” wird beliefert von der hauseigenen Organic Farm aus Gloucestershire. Es offeriert exzellente Drinks, Cakes, Cafes, Pastures, Creamery, Cocktails, Tagesgerichte und Getränke. Das Personal ist superfreundlich und setzt sich aus Einheimischen, aber auch unterschiedlichen Nationalitäten zusammen, die in irgendeiner Weise vom Brexit mittelbar und unmittelbar betroffen sind.

South Kensington Station

South Kensington Station

Chelsea

Chelsea im Westen Londons ist einer der lebendigsten Stadtteile Londons zwischen Sloane Square und der Themse. Es gehört wie Kensington zum größeren Stadtbezirk Kensington und Chelsea und ist architektonisch ungemein reizvoll, weil es hinter jeder Ecke neue aufregende Entdeckungen verspricht. Viele viktorianische Herrenhäuser zeugen noch vom Glanz und der Glorie der vergangenen Epochen des britischen Empire und seinen besten Zeiten. Sehr beeindruckend.

Victoria & Albert Museum

Eine der sehenswerten Adressen im Viertel ist das Victoria & Albert Museum, kurz VA genannt. Wertvolle Exponate aus allen Stilrichtungen und Zeiten lassen den Aufenthalt wie im Flug vergehen und gestalten den Tag zu einem echten Abenteuer. Der Eintritt ist prinzipiell kostenlos, aber besondere Ausstellungen erfordern ein Ticket.

Victoria & Albert Museum, London, Königliche Kutsche

Ausstellungsstück der Königlichen Kutsche im Victoria&Albert Museum in London

Wikipedia V&A Museum

Royal Albert Hall

Auch die traditionsreiche Royal Albert Hall zählt zum Stadtteil Kensington und sie grenzt an den weltberühmten Hyde Park mit seinen Grünanlagen, den Seen Serpentine, Long Water und Round Pond, der Kunstgalerie mitten im Park und dem Princess Diana Memorial Fountain. In der Royal Albert Hall besuchte ich die aktuelle Show des Cirque de Soleil TOTEM, die eine beeindruckende Saga an artistischen Höchstleistungen, Mythen und Sinneseindrücken darbietet. Die Show ist wirklich außergewöhnlich und mit Weltklasse Artisten reich besetzt.

Cirque de Soleil (im Januar 2019)

TOTEM stellt die Entwicklung des Menschen dar, von seinen amphibischen Ursprüngen bis hin zum modernen Traum vom Fliegen. Die Charaktere bewegen sich auf einer Bühne, die an eine Riesenschildkröte erinnert, dem Ursprungssymbol vieler antiker Zivilisationen. TOTEM ergründet die Verbindungen zwischen dem Menschen und anderen Gattungen, seine Träume und sein unendliches Potential.

Underground

Immer wieder ein Erlebnis sind auch die Fahrten mit den traditionellen roten Bussen oder der Underground, die London so charakteristisch auszeichnen. Es macht einfach Spaß, sich schnell mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewegen und im Untergrund Londons hat sich eine eigene Subkultur entwickelt mit Musikern, Freaks, Fashion Queens und Lebenskünstlern aller Art.

Wie sich die neuesten Modetrends entwickeln zeigt sich rasend schnell auf den langen Rolltreppen in Covent Garden, Notting Hill, Paddington, Charing Cross, Piccadilly Circus und Waterloo Station.

London, Big Ben, Underground

London, Big Ben, Underground. Visit London

Pubs in London

Pub, London

Gemütlich im Pub (Aufnahme im Januar 2019)

Ein eigenes Kapitel sind die Pubs in London, die mehr sind als blose Gaststätten. Sie waren schon immer Kommunikationzentralen und Treffpunkte aller gesellschaftlichen Schichten. Wer wissen will, wie und was die Volksseele denkt, begibt sich am Besten in einen der unzähligen Pubs.

Auch dieser London-Kurzbesuch hat mich wie schon so oft begeistert. Mein Eindruck lässt sich so beschreiben: London I love you!

ps: Der Brexit ist in London nicht wirklich populär. Jedenfalls nicht bei John Doe im Pub in diesem Januar 2019.

Text, Fotos © Bernd Schray

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