Gangnam-Style still rocks

Ich bin jetzt seit gut zwei Monaten in Süd-Korea unterwegs und eine Frage sticht im Video-Chat mit den Freunden und Verwandten zuhause immer wieder heraus: „Wie ist es denn eigentlich so?“

Mich als ausgesprochenen Asien-Liebhaber reizt und reizte das Land schon länger, nun hatte ich über direkte Kontakte das Glück, mir einmal persönlich ein Bild von diesem, aus deutscher Perspektive so weit entfernten Land zu machen:

Und um die Frage knapp zu beantworten, sage ich meistens „sehr gut“, aber das ist natürlich nicht die ganze Wahrheit. Kein Land ist nur gut oder sein Gegenteil. Wie überall gibt es auch in Korea Faszinierendes und Belangloses gleich um die Ecke.

Busan Tempel

Tempel in Busan an der Südküste Koreas

Aus der Sicht von Touristen betrachtet ist Süd-Korea nicht unbedingt das beliebteste Reiseziel der Welt – aber meiner Meinung nach definitiv mehr als einen Besuch wert. Kaum irgendwo sonst kann man die wirtschaftliche Evolution eines einst vom Krieg geplagten Landes so gut sehen wie hier. Zwischen glitzernden Hochhäusern und ein wenig schäbig und verfallen wirkenden Unterkünften in Seoul kontrastiert es mit einem Landleben, dass nicht so ganz zu wissen scheint, ob es für die Moderne bereit ist. So kreuzen sich teils extrem konservative Ansichten mit progressivem westlichen Einfluss, der sich gerade durch technologische Fortschritte und Pop-Kultur bemerkbar macht und es entsteht ein fast surreales Bild aus Traditionen und Technik.

Da verwundert es nicht, bei Wanderungen durch koreanische Großstädte französische Bäckerei-Ketten mit aufwändig gestalteten Filialen im modernen, westlichen Stil direkt neben Straßenständen zu finden, die gekochte Insektenlarven zum Mitnehmen anbieten. Letztere sind übrigens einen Versuch wert, sollten Sie sich einmal in Korea wiederfinden. Der Beondegi genannte Snack sind genau genommen die Puppen von Seidenspinnern. Während und nach dem Krieg wurden diese auf Grund von Lebensmittelknappheit oft verzehrt und konnten sich bis heute als fester Bestandteil der koreanischen Küche und Snack-Kultur halten. Kleiner Tipp vor dem Genuss: Lieber nicht genau hinsehen!

Was noch? Korea bietet neben Käferlarven und westlichem Gebäck einige andere Leckereien für hungrige Reisende. Dazu gehören Kimchi, welches ungefähr dem deutschen Sauerkraut entspricht und in verschiedensten Varianten von mild und süß bis tränentreibend scharf erhältlich ist, diverse Fisch und Fleischspezialitäten aller Art und Ddeokkbokki, einer Art Eintopf aus scharfer Soße, Fisch- und Reiskuchen mit Gemüse.

Beondegi: Käferlarven

Beondegi: Käferlarven

Wenn Sie die verschiedenen Städte Koreas besichtigen, sich durch die Landesküche kosten und koreanische Sehenswürdigkeiten bewundern, wird Ihnen die permanente Beschallung mit koreanischer Popmusik, oder kurz K-Pop, auffallen. K-Pop ist in den letzten Jahren zu internationalem Ruhm gekommen und hat dies unter anderem dem koreanischen Sänger Psy zu verdanken, der mit seinem Hit „Gangnam Style“ die Welt eroberte. Noch heute sieht man im Trendbezirk Gangnam am Han-Fluss in Seoul Touristen durch die U-Bahn-Station galoppieren. Ganz zur Freude der Einheimischen, die dies meistens mit einem amüsierten Kopfnicken, das je nach Darbietung auch kräftiger ausfallen kann, kommentieren.

Davon sollten Sie sich als Tourist aber nicht abschrecken lassen. Das Land hat neben starken sozialen Kontrasten noch einiges mehr zu bieten. Darunter atemberaubend schöne Landschaften mit Bergen, die direkt aus dem Meer zu ragen scheinen, traditionellen Dörfern und eine unvergleichliche Kultur.

Am Besten erkundet man Korea meiner Meinung nach per gut vorbereiteter und organisierter Rundreise, um so viele Eindrücke wie möglich zu erhalten.

Hier noch ein paar Bilder und Impressionen:

Bilder: © Robin Raymann

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