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Das Schweizer Bodensee- und Rheinufer

Ein Reisebericht von Dr. Rudolf Reiser, 18 Seiten


Ein bizarres Bild der europäischen Geschichte. Wir sitzen auf der Terrasse des Hotels Haldenhof in Fruthwilen: Gegenüber das Weltkulturerbe Reichenau, unter uns das wundersame Ufer des Bodensees, hier Untersee genannt.



Wir meinen, aus den Inselkirchen drüben Gregorianische Choräle der keuschen und asketischen Mönche und hier herüben das Lied der verliebten und weltbekannten Lili zu hören. In der Tat, extremer kann ein Visavis nicht sein. Am Untersee prallen im Mittelalter die Theorien der Volks- plus Staatssouveränität und des Gottesgnadentums aufeinander und vor zweihundert Jahren Marienlieder und Marseillaise. Es geht immer um politische Grundsätze.

Heute kennt und schätzt man weltweit das Modell Schweiz, Vorbild aller Demokratien, die sich der Menschenwürde verpflichten. Dieser Prolog zu unserem Reisebericht ist deshalb wichtig und richtig, weil man mit ihm erst das südwestliche Bodensee-Ufer mit seinen liberalen und liebenswerten Menschen, den blumengeschmückten Fachwerkhäusern und idyllischen Promenaden, den Fisch- und Käsespezialitäten, den fruchtbaren Weinhängen und feschen Wirtinnen, den ruhigen Seewellen und sanften Hügeln versteht. Die Schönheit der Landschaft und Dörfer korrespondiert mit einer Tradition, die wohl auf der Erde ihresgleichen sucht.

Und so wird dem Gast im Haldenhof, noch dazu wenn er die täglich zum Frühstück servierte Morgenzeitung liest, schon sehr bewußt: Drüben auf der Bodensee-Insel und darüber hinaus beuten bis 1800 die reichen Klöster ihre Untertanen aus. Abgesehen davon, daß die romanischen Gotteshäuser der Reichenau in unseren Jahren

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